Im Wülfingmuseum wird eine kleine Auswahl

von textilen Rohstoffen gezeigt.

Hier können Sie nicht nur viel über den Unterschied zwischen tierischen, pflanzlichen und synthetischen Fasern erfahren, sondern Sie können ihn auch ertasten und fühlen.

Niemand wird Ihnen verbieten, in ein Woll– oder Synthetikfaserbündel zu greifen.

Textilfachleute mußten sogar einen „guten Griff“ haben, um die Fasereigenschaften zu beurteilen.

Johann Wülfing & Sohn stellte Herren–Oberbekleidungsstoffe her, die aus hochwertigem Kammgarn bestanden. Dafür besaß Johann Wülfing & Sohn in Lennep sogar eine eigene Kammgarnspinnerei.

Kammgarn war also der Hauptbestandteil der unvergleichlichen Wülfingstoffe. Aus diesem Grund wird das Herstellungsgeheimnis dieser Garntype etwas gelüftet.

Um glatte, gleichmäßige Wollgarne zu erhalten, müssen die kurzen Wollfasern entfernt werden. Dieses erreicht man beim Kammgarnspinnverfahren durch auskämmen der kurzen Faseranteile.

Die vorbereitenden Arbeitsgänge bis zum Wiegen funktionieren ebenso wie in der Streichgarnspinnerei.

Vorbereitung

  1. Krempeln : Auslösung bis zur Einzelfaser è Ordnen der Fasern è Beseitigen der letzten Unreinigkeiten
  2. Strecken : Vergleichmäßigung der Faserbänder durch Doppeln und Verziehen è Mischen verschiedener Faserarten und –farben
  3. Kämmen : Auskämmen der kurzen Faseranteile
  4. Strecken : Weitere Vergleichmäßigung >>> Der Inhalt der Streckenkanne wird zusammengepreßt und als Kammzugwickel (Bumps) an die Kammgarnspinnerei weitergeliefert

Spinnerei

  • Strecken : Weitere Vergleichmäßigung und Mischen verschiedener Faserarten und –farben
  • Vorspinnen : Verstrecken und Vordrehen bis zum Vorgarn
  • Feinspinnen : Verstrecken bis zur endgültigen Feinheit >> Verdrehen >> Aufwickeln

Kammgarne sind durch das mehrmalige Doppeln und Verstrecken, sowie durch das Auskämmen der kurzen Faseranteile besonders glatt und gleichmäßig.

Im Wülfingmuseum finden Sie nicht nur tierische Wolle, auch Synthetik, Baumwolle und Seide ist vorhanden. Sie erfahren sogar, daß nicht nur Schafe, sondern andere Tiere ihre Haare ebenfalls für die Wülfingtuche abgeben durften.

© Peter Dominick, 2021